Gerhard Gundermann

Film und Gespräch

Es ist der 14. Juni 1998 in der Prignitzgemeinde Krams. Gerhard Gundermann singt ein Solokonzert. Es wird sein letztes sein.1 Eine Woche später stirbt er in seinem Wohnhaus in Spreetal bei Hoyerswerda.

„einmal bleiben morgens meine schuhe leer
einmal hilft mir auch dein fliedertee nicht mehr
einmal fall ich in den schwarzen trichter rein
einmal lass ich dich allein“2

Wer war dieser Mann? 

1955 in Weimar geboren. 1967 nach Hoyerswerda gezogen. 1973 Abitur und dann Offiziersschüler. 1975 exmatrikuliert, weil er sich weigerte, ein Loblied auf einen General zu singen. Hilfsarbeiter im Tagebau, später Facharbeiter und Baggerfahrer. 1977 Eintritt in die SED und 1984 Ausschluss wegen „prinzipielle Eigenwilligkeit“. Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi und selbst von der Stasi observiert. Nach 1989 arbeitslos und Umschulung zum Tischler.

Bekannt ist Gundermann aber wegen seiner Musik: 1970 bekommt er seine erste Gitarre, singt im Schulsingeclub, verfertigt seine ersten eigenen Lieder.  Singt im Armeesingeclub und dann im Singeclub der FDJ, der später zur „Brigade Feuerstein“ wurde. Nach 1989 dann die Band „Seilschaft“ und zahlreiche Soloauftritte, so wie der in Krams.

Filme wurden über ihn gedreht, 19813 und 19994 von Richard Engel, 2018 von Andreas Dresen5 und 2019 von Grit Lemke6.

Wer war dieser Mann? Ganz unterschiedliche Antworten gibt es wohl und ganz unterschiedliche Sichtweisen, aber seine Musik und seine Texte, die sind wenig umstritten:

„hier bin ich geborn
so wie ins wasser fiel der stein
hier hat mich mein gott verlorn
und hier holt er mich wieder ein“7

Donnerstag 29. Oktober 18.00 Uhr
Pfa
rrhausmuseum

Lindenstraße 22 | 19357 Karstädt-Blüthen
evtl auch coronabedingt in der Alten Scheune nebenan


1 Auf CD: Gundermann, Krams – Das letzte Konzert, 1998.

2 Gerhard Gundermann, Einmal, Album: Der 7. Samurai, 1993.

3 Richard Engel, Gundi Gundermann, 1981.

4 Richard Engel, Ende der Eisenzeit, 1999.

5 Andreas Dresen, Gundermann, 2018.

6 Grit Lemke, Gundermanns Revier, 2019.

7 Gerhard Gundermann, Hier bin ich geboren, Album: Frühstück für immer, 1995.


Bild Claude Lebus