Die Altmark – unser Nachbar am jenseitigen Elbufer

Ein Parforceritt durch ihre Geschichte vom 3. Oktober 1157 bis zum 3. Oktober 1990 
Impulsvortrag Frank Riedel, Fachbereichsleiter Kultur, Sport und Tourismus der Rolandstadt Perleberg

Das Datum des 3. Oktobers ist heute jedem Brandenburger vertraut. Der Tag der Deutschen Einheit ist seit 1990 schul- und arbeitsfreier Feiertag. Dass der gleiche Tag, 865 Jahre zuvor, ein wichtiger Tag für die Brandenburger ist, ist weniger bekannt. 

Nachdem Albrecht I. (um 1100 – 1170), bekannt als Albrecht der Bär, am 11. Juni 1157 nach jahrelangen Auseinandersetzungen die Brandenburg eingenommen hatte, wird am  3. Oktober 1157 in Werben die erste überlieferte Urkunde ausgefertigt, in der er sich „Adelbertus Dei gratia marchio in Brandenborch“ nennt. Das Datum gilt als Geburtstag Brandenburgs.

Was seither geschah, darüber wird Frank Riedel im Blüthener Gespräch informieren. Für die Gesprächsteilnehmer soll es aber kein Kraftakt sondern ein informativer und interessanter Abend werden. 

Donnerstag 20. Oktober 18.00 Uhr
im Pfarrhausmuseum

Pfarrhausmuseum Blüthen

Das Museum im ehemaligen Pfarrhaus zeigt eine Lebenswelt, die einmal prägend für die evangelische Kirche gewesen ist – und dies nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen protestantischen Ländern Europas. Heute gehört sie in dieser Form der Vergangenheit an.

Das Museum basiert auf dem Gemeindearchiv mit Beständen bis ins 17. Jahrhundert und auf dem umfangreichen Nachlass von Karl und Gerlinde Groß, dem letzten im Haus lebenden Pfarrerehepaar. Karl Groß trat sein Amt 1930 an und versah es, längst im offiziellen Ruhestand, bis in die 1980er Jahre hinein. Er verkörperte noch den Typus des wissenschaftlich vielseitigen Gelehrten im Talar, der sich in seinen Mußestunden mit Mikroskop, Himmelsfernrohr, alten Kirchenbüchern, physikalischen, historischen und theologischen Studien befasste. Pfarrfrau Gerlinde wiederum übte als Katechetin und Lehrerin einen eigenen Beruf aus, was in jener Zeit noch nicht selbstverständlich war.

Ein Landpfarrerleben kann hier inmitten von authentischer oder atmosphärisch genau rekonstruierter Einrichtung besichtigt werden. Bilder erzählen von Amtshandlungen, Dorffesten, Hochzeiten oder Pfarrkonventen. Zu Wort kommen die „Seelen“ des Pfarrsprengels – Dorfbewohner, Lehrer oder die Rittergutsbesitzer von Stavenow, die das Patronat in Blüthen bis 1945 innehatten. Auch eine kleine Landpfarrei konnte nicht unberührt bleiben von politischer Radikalisierung und Konflikten zwischen Kirche und Staat, im „Kirchenkampf“ zur Zeit des Nationalsozialismus oder in der Opposition gegen das SED-Regime, auch nicht von den Veränderungen des kirchlichen Lebens im Allgemeinen. Dokumente, Zeitungen und eine Medienstation mit Rundfunkbeiträgen, Nachrichtensendungen und Zeitzeugen-Interviews aus fünf Jahrzehnten vermitteln von alledem einen Eindruck. Besondere Aufmerksamkeit widmet das Museum dem graphischen Werk des Malers Wilhelm Steinhausen (1846-1924). Er lebte zeitweilig hier bei seinem Bruder Heinrich, 1868 bis 1875 Gemeindepfarrer in Blüthen und erfolgreicher Schriftsteller. Für die Dorfkirche hat er ein Glasfenster geschaffen.

Ermöglicht wurde die neue Dauerausstellung durch Zuwendungen der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, aus Lotto-Mitteln des Landes Brandenburg sowie Spenden und Beiträgen der Sparkasse Prignitz, der WKN AG / PNE WIND Group, des Kreiskrankenhauses Prignitz, der Gemeinde Karstädt – und mit viel ehrenamtlichem Engagement.

Das Museum ist derzeit nur auf Anmeldung zu besichtigen. Kirche, Pfarrhaus und Pfarrgarten stehen auch für kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen offen. Auf Wunsch wird gerne für ein Catering mit regionalen Wurst-Spezialitäten und Kuchen nach den Originalrezepten der Pfarrfrau Gerlinde Groß gesorgt.