Donnerstag 27. Februar 2025
Pfarrhausmuseum Blüthen
43. Blüthener Gespräch
Die Stalinallee der Dörfer
Das sozialistische Musterdorf Mestlin
Nach der Bodenreform im Osten Deutschlands wurde Mestlin Anfang der 1950er Jahre zum Vorzeigedorf gekürt und im zeitgenössischen Stil zur „Stalinallee der Dörfer“ ausgebaut. Ein riesiges Kulturhaus stand dabei als Symbol für die geplante Herausbildung eines „neuen Menschen“ auch auf dem Lande. Das Kulturhaus wirkt heute völlig überdimensioniert für die Gemeinde mit einer Bevölkerung von etwa 790 Einwohnern. Das gesamte Ensemble ist ein zu Stein gewordenes Symbol der sozialistischen Idealordnung.
Donnerstag 27. März 2025
Pfarrhausmuseum Blüthen
44. Blüthener Gespräch
Mittagsstunde
Ein Roman von Dörte Hansen vorgestellt von Eva-Maria Menard
Zu den aussterbenden Lebensgewohnheiten in der Moderne gehört auch der Mittagsschlaf. In einer früheren Welt waren die Stunden zwischen Zwölf und Zwei heilig. Bitte nicht stören! Nach dem Essen legte man sich hin, denn man war ja zeitig aufgestanden – vor allem die Menschen im Dorf, einst, als es dort noch Bauern gab, die in der Frühe ihre Kühe melken mussten. Eine verschwundene Welt, in der es noch den Mittagsschlaf gab. Von so einem Dorf und vom Verschwinden nicht nur der Ruhezeiten erzählt Dörte Hansen in ihrem zweiten Roman „Mittagsstunde“. Das fiktive Örtchen Brinkebüll hatte einst alles, was ein Dorf auszeichnete: Kirche, Schule, Laden, Gasthaus, Kastanienallee, Hecken und Wiesen und Wälder. Doch innerhalb weniger Jahr‐ zehnte ging alles verloren. Das Dorf verwandelte sich in eine bequem mit dem Auto zu erreichende Schlafstätte für Zugezogene. Und zugleich verschwand auch die Mittagszeit mit all ihren Geheimnissen, Herrlichkeiten und Heimlichkeiten.
Donnerstag 8. Mai 2025
Pfarrhausmuseum Blüthen
45. Blüthener Gespräch
Kreuzbruch am Kreuzweg
Eine Langzeitdokumentation über die Auflösung einer LPG von Ingrid Poss
Der Ritter Florian Geyer (um 1490 – 1525) diente dem Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Ansbach als Militär und Diplomat. In der DDR wurde die LPG in Kreuzbruch nach ihm benannt. Sie wurde 1952 gegründet, im Herbst 1990 aufgelöst. Die Menschen forderten ihre Äcker zurück. Der Film verfolgt diesen Prozess zwischen 1991 und 1992. Vor der Kamera stehen Sieger und Verlierer, Aus steiger und Einsteiger, Rückkehrer und Neusiedler. In Gesprächen mit Betroffenen werden die sozialen und menschlichen Umwälzungen deutlich gemacht, die dieser Prozess mit sich brachte.
Freitag 6. bis Sonntag 15. Juni 2025
Blüthen
Festwoche „700 Jahre Blüthen“
70. Reit- und Fahrtunier, Chronik und Geschichten, Blüthener Geschwätz, Gottesdienst, Theater „Der geklaute Bischof“Festumzug, Platzkonzert, viele Ständen und Aktionen und Tanz
Am 24. Juni 1325 überlassen die Herren Virtze und Heineke [Friedrich und Heinrich], ihres Zeichens Ritter von Schepelitz, Einkünfte aus dem Dorf Blu°then [Blüthen] dem Kloster in Eldena, weil dieses ihre Tochter bzw Nichte Elseben [Ilsabe] aufgenommen hat. Der Vorgang wird auf Pergament beurkundet und gesiegelt. 700 Jahre später ist von Virtze, Heineke und Elseben nicht mehr die Rede, aber das erwähnte Dorf Blu°then gibt es noch und es hatte allen Anlass, das mit einer Festwoche zu feiern.
Donnerstag 12. Juni 2025
Blüthener Geschwätz
46. Blüthener Gespräch – Sonderausgabe „Blüthener Geschwätz“
Karl Brüning – ein Blüthener Original
Als Karl Brüning am 29. April 1948 im Alter von 64 Jahren starb, wurde ein Blüthener Original beerdigt. Seine Beerdigung hatte er schon einige Zeit zuvor geprobt: Der Sarg stand bereit, das Totenhemd hatte er angetan und Musiker waren bestellt und spielten „Waldeslust“. Noch heute erzählt man von seinen Lügengeschichten, seinen verrückten Einfällen und windigen Geschäften. Die legendären Geschichten um Karl Brüning wurden erzählt, so wie sie aufgeschrieben und ehrlich erfunden wurden.
Freitag 13. Juni 2025
Pfarrgarten
Theater „Der geklaute Bischof“
Balthasar von Rantzau wurde 1545 von Martin von Waldenfels entführt, um ein Lösegeld von König Christian III. von Dänemark zu erpressen. Während der langen Gefangenschaft wurde der genaue Aufenthaltsort des Bischofs geheim gehalten, um die Lösegeldforderung aufrechtzuerhalten. Er starb vermutlich im April oder Mai 1547, möglicherweise auf Schloss Stavenow und wurde dann vielleicht in Blüthen beigesetzt. Das Theaterstück „Der geklaute Bischof“ konnte zwar auch kein Licht in die Historie bringen, zeigte aber in künstlerischer Freiheit eine Geschichte rund um den Bischof von Blüthen. mehr zu dieser Geschichte …
Donnerstag 9. Oktober 2025
Pfarrhausmuseum Blüthen
47. Blüthener Gespräch
Pfarrerssohn – Atomspion
Die Geschichte des Klaus Fuchs
Der Physiker Klaus Fuchs (1911 – 1988) entstammte einer Theologenfamilie, die – ungewöhnlich für die evangelische Geistlichkeit der 1920er Jahre – mit der politischen Linken sympathisierte. 1933 in die Emigration gezwungen erwarb sich Fuchs in Großbritannien akademisches Ansehen. Ab 1943 wirkte er in den USA an der Entwicklung der ersten Atombombe mit, wobei er wichtige Unterlagen an den sowjetischen Geheimdienst weiterreichte. 1950 in England wegen Spionage verurteilt, übersiedelte er nach der Haftentlassung 1959 in die DDR, wo sein Vater Emil Fuchs (1874 – 1971) den systemkonformen Flügel der evangelischen Kirche repräsentierte. Kurz vor dem Tod von Klaus Fuchs produzierte das MfS ein langes Videointerview mit ihm. Ausschnitte daraus sollen im Mittelpunkt des Abends stehen.
Donnerstag 13. November 2025
Pfarrhausmuseum Blüthen
48. Blüthener Gespräch
Glaubensmut gegen ein Imperium
Christenverfolgungen im Römischen Reich
Ein Vortrag von Alexander Pohl
Die ersten Christenverfolgungen im Römischen Reich gab es bereits im 1. Jahrhundert. Zunächst galt das Christentum als jüdische Sekte und wurde weitgehend toleriert. Bald jedoch gerieten die Christen ins Visier der römischen Behörden, weil sie sich weigerten, dem Kaiser als göttlichem Herrscher zu huldigen und an heidnischen Ritualen teilzunehmen. Der Vortrag zeichnete anhand dreier historischer Beispiele die Anfänge der Christenverfolgung nach: von Neros grausamen Inszenierungen nach dem Brand Roms über die juristischen Überlegungen des Statthalters Plinius bis hin zu innerchristlichen Debatten über Märtyrer und „Gefallene“. Ein Exkurs beleuchtet die Frage, warum Christen im Unterschied zu den Juden im Römischen Reich nicht geduldet wurden.
Donnerstag 4. Dezember 2025
Pfarrhausmuseum Blüthen
49. Blüthener Gespräch
Geschichten im Advent
Still und starr ruht der See – kleine Krimis zum Fest
Wenn die Tage kürzer werden, wenn Kerzenschein und Lichterglanz die Fenster erleuchten, wenn es verhei‐ ßungsvoll nach Plätzchen oder Glühwein duftet, dann beginnt die gemütliche Zeit des Jahres: die Adventszeit, die auch eine Geschichtenzeit ist. Es gibt eine Fülle fröhlicher und nachdenklicher, humorvoller und tiefsinni‐ gen Geschichten rund um Advent und Weihnachten, die zum Vorlesen einladen. Eine kleine Atempause in den manchmal turbulenten Weihnachtsvorbereitungen tut gut. In diesem Jahr las Peter Radziwill mörderische Geschichten zum Fest der Liebe. Auch Plätzchen und Glühwein fehlten nicht zum letzten Blüthener Gespräch im Jahr 2025 am Kamin.
Donnerstag 29. Januar 2026
Pfarrhausmuseum Blüthen
50. Blüthener Gespräch
Missionierung und Kolonialisation in Tansania und ihre Wirkungen in der Gegenwart
Vortrag von Peter Radziwill
Die Berliner Mission begann ihre Arbeit im heutigen Tansania Ende des 19. Jahrhunderts. Ihr Ziel war es, das Christentum zu verbreiten, Schulen zu errichten und soziale Projekte zu fördern. Parallel zur Mission setzte auch die deutsche Kolonisation ein. Sie begann mit der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft bis 1891 die Verwaltung direkt auf das Deutschen Reich überging. Die Kolonialpolitik war von wirtschaftlicher Ausbeutung und harter Unterdrückung geprägt. Zahlreiche Aufstände forderten hunderttausende Opfer unter der einheimischen Bevölkerung. So prägen Mission und Kolonialisation Tansania bis heute in vielerlei Hinsicht.
Donnerstag 26. Februar 2026
Pfarrhausmuseum Blüthen
51. Blüthener Gespräch
In die andere Richtung jetzt
Über ein Buch von Navid Kermani
Bis heute gilt Afrika als der „vergessene Kontinent“, dabei ist es spätestens seit dem 19. Jahrhundert vor allem der umkämpfte Kontinent. Europäische Kolonialmächte haben hier tiefe Wunden hinterlassen. Der arabische Norden trägt seine Religion und Kultur in den Süden, oft mit Gewalt. China und der Westen konkurrieren um Bodenschätze und Einfluss. Vergessen ist Afrika vor allem da, wo es nichts zu holen gibt, etwa auf Madagaskar. Hier haben die Vereinten Nationen die erste Hungersnot deklariert, die vom Klimawandel verursacht wurde. Hier beginnt die Reise, die Navid Kermani unternommen hat. Sie führt weiter über die Komoren, Mosambik, Tansania, Kenia und Äthiopien bis in den Sudan. Am Ende seiner Reise, seines Buches bleibt die Frage: Warum gelingt es uns in Europa nicht, die Welt als ganze zu sehen? Warum grenzen wir uns so sehr ab von den Menschen in Afrika ab und warum sehen wir so wenig die Ressourcen, die dieser Kontinent hat, die uns allen nutzen würden, in Afrika und in Europa?
Samstag 7. und Sonntag 8. März 2026
Pfarrhausmuseum Blüthen
Frühjahrs- und Ostermarkt
Immer vier Wochen vor Ostern ist in Blüthen Frühjahrs- und und Ostermarkt. An diesen Tagen war auch das Pfarrhausmuseum geöffnet. Es war möglich sein, in schönen Sachen zu stöbern, Honig aus dem Pfarrgarten zu erwerben, sich mit Literatur aus Bücherkiste zu versorgen, Kaffee und Kuchen im Küchen-Café zu genießen und natürlich konnte man auch das Pfarrhausmuseum zu besuchen.
Donnerstag 26. März 2026
Pfarrhausmuseum Blüthen
52. Blüthener Gespräch
Das leere Grab
Ein Film von Agnes Lisa Wegner und Cece Mlay
Bis heute lagern zehntausende menschliche Gebeine aus ehemaligen Kolonien in deutschen Museen, Universitäts-Sammlungen und Forschungseinrichtungen. Bis heute ist unklar, wie sie identifiziert und zurückgeführt werden können. Der Dokumentarfilm „Das leere Grab“ folgt zwei Familien auf ihrer mühsamen Suche nach ihrer Vorfahren.