Der Störenfried

Blühender Gespräch
Donnerstag 19. September 18.00 Uhr

Leben und Selbstverbrennung
des Zeitzer Pfarrers Oskar Brüsewitz
Vortragsimpuls und Gespräch

Peter Radziwill | Impuls

Am Morgen des 18. August 1976 geht der Pfarrer Oskar Brüsewitz in seinen Garten und schneidet nahezu alle Rosen ab. Er verteilt sie im Haus, nimmt seine Frau Christa fest in den Arm und fragt, ob sie ihn noch liebe. Sie frühstücken gemeinsam, er verlässt das Haus und fährt nach Zeitz, übergießt sich mit Benzin und zündet sich an. Vier Tage später stirbt er an seinen schweren Verbrennungen im Krankenhaus.

Brüsewitz war zum Staatsfeind der DDR geworden. Unmittelbar vor dem Suizid hatte er ein Transparent auf sein Auto montiert. Darauf stand: „Funkspruch an alle … Funkspruch an alle … Wir klagen den Kommunismus an: wegen: Unterdrückung der Kirchen in Schulen an Kindern und Jugendlichen!“

Die SED-Presse machte aus Brüsewitz einen krankhaft veranlagten Menschen. Dem Westen kam es gelegen, Brüsewitz als politischen Märtyrer zu bezeichnen.

Am 30. Mai wäre Brüsewitz 90 Jahre alt geworden. 43 Jahre nach seinem Tod ist nun erneut eine Debatte darüber losgebrochen, was die genauen Umstände des Pfarrer-Suizids waren. War die Selbstverbrennung ein politischer Akt oder die Verzweiflungstat eines psychisch Belasteten?